Autor
Titel
Zur Farbenlehre
Untertitel
Publikationsjahr 1810
Publikationsort Tübingen
Verlag/Herausgeber J. B. Cotta
Illustrationen Nein
Beschreibung

Johann Wolfgang Goethe ( Frankfurt / Main 1749–
1832 ). Neben literarischer Tätigkeit, naturwissenschaftlichen, geologischen und mineralogischen Studien beschäftigt sich Goethe seit 1790 bis zu seinem Tode mit Problemen zur Farbenlehre. Insgesamt umfasst die Farbenlehre Goethes ein Werk von über 40 Titeln. Goethe mass seiner Farbenlehre grösseres Gewicht zu als seinem dichterischen Werk. Goethes Farbenlehre hat sowohl auf die philosophische Farbenlehre wie auf die Künstler–Farbenlehre grossen Einfluss ausgeübt.

Entscheidende Gedanken der späteren Farbenlehre begegnen uns bereits in den Beiträgen zur Optik. Goethe, für den das Verhältnis der Farben zu Licht und Schatten das schwierigste Problem der Farbgebung war, sah die Farbe aus dem beständigen Streit zwischen Licht und Finsternis hervorgehen. Farbe ist die nicht durch das Gefühl erkennbare Eigenschaft der Köperoberfläche. In diesem Sinne nennen wir Schwarz und Weiss so gut als Blau, Gelb und Rot mit allen ihren Mischungen eine Farbe, einschränkend, dass das reine Weiss und das reine Schwarz als Repräsentanten des Lichts bzw. der Finsternis keine Farben seien in jenem Sinne, wie wir die prismatische Erscheinung farbig nennen. Grau repräsentiert in diesem Sinne den Schatten. Nur zwei der eigentlich farbigen Erscheinungen, Gelb und Blau, geben uns einen ganz reinen Begriff, während Rot entweder zum Gelben oder zum Blauen hinneigt und daher nie in ganz reinem Zustand begegnet ( Lersch 1978 / 79, S.233ff. ).

1808 erscheint Goethes Didaktischer Teil zur Farbenlehre, ab 1810 wurde sein dreiteiliges Hauptwerk mit dem Polemischen Teil ( Enthüllung der Theorie Newtons ) und dem Historischen Teil ( Materialien zur Geschichte der Farbenlehre ) ergänzt und veröffentlicht.

Den didaktischen Teil seiner Farbenlehre unterteilt Goethe in Physiologische Farbenlehre, Physische Farbenlehre und Chemische Farbenlehre; abschliessend wird die sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe behandelt. Zusammenfassend kann man sagen, dass sich das Auge immer nur für kurze Zeit mit einer einzigen Farbe zu identifizieren vermag. Es fordert bei deren Anblick sofort eine andere, welche mit der gegebenen die Totalität des ganzen Farbenkreises enthält. Wie Goethe bei der Besprechung der physiologischen Farben darstellt, kommt es zu dieser Totalität – auf ihr beruht das Prinzip der Harmonie – wenn die im Farbenkreis einander diametral entgegengesetzten Farben zusammengestellt werden. Von den harmonischen Farbzusammenstellungen sind die charakteristischen zu unterscheiden, die entstehen, wenn eine Mittelfarbe übersprungen wird. Aus diesem Zusammenspiel der Farben leitet Goethe die sinnlich-sittliche Wirkung der Farben ab, die, je nach Zusammenstellung, charakterlos, gemein-widerlich, mächtig, sanft usw. sein können. Aus der sinnlich-sittlichen Wirkung der Farben leitet sich dann für den Künstler die ästhetische her. Im historischen Teil bespricht Goethe Werke der Malerei, wie z.B. die alte venezianische Malerei oder das Abendmahl von Leonardo da Vinci.

            Insgesamt ist die Farbenlehre von Goethe die universalste und tiefste Darstellung, die die Materie bis heute gefunden hat. Newton wollte mit seinen Forschungen das Licht analysieren, während sich Goethe bemühte, die Erscheinung der Farbe in ihrem Vorkommen und ihrer Bedeutung zu erforschen. Einen direkten Einfluss hatte Goethes Farbentheorie auf das Spätwerk von Turner.

Weiter äusserte sich Goethe in verschiedenen hinterlassenen Schriften auch zu technischen Aspekten der Malerei, Denkmalpflege und Restaurierung ( u.a. Gutachten an Freiherrn von Friesen 1816 ( in: Jahrbuch der Kunstwissenschaft, IV, 1871, S. 259–262 ), in dem er der Enkaustik als Retuschiermöglichkeit grosses Lob ausspricht.

Erstausgabe Zur Farbenlehre, J. B. Cotta (1808) von Goethe, Johann Wolfgang von
Referenzen
Verfasser Zindel 2010
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